Der FC Zürich zittert sich gegen Tuggen zum Cup-Sieg an der Linthstrasse
von Daniel Horisberger
Nach dem Spiel waren sich die beiden Trainer einig, verdient war der Sieg des FCZ gegen Tuggen nicht. «Als Erstes möchte ich dem FCZ zum Weiterkommen gratulieren. Wirklich verdient war der Sieg aber nicht, denn wenn wir nach dem Ausgleich das 1:2 machen, dann wird es für Zürich schwierig, das Spiel noch zu drehen», resümierte Tuggens Coach Michele Polverino nach dem Match. «Man kann grundsätzlich nicht davon ausgehen, dass man gegen unterklassige Teams im Cup spielt und 4:0 oder 5:0 gewinnt. Es war heute sehr schwierig, weil der FC Tuggen hervorragend gespielt hat. Sie hatten Mumm, daher war unser Sieg schon etwas glücklich», fasste FCZ-Trainer Marcel Koller die 90 Minuten im Cup zusammen.
Die durchwachsene erste Hälfte
In den ersten 45 Minuten lief bei beiden Teams nicht viel zusammen. Der Favorit aus Zürich hat mehr Ballbesitz, aber kann sich kaum Chancen erarbeiten. Tuggen steht tief und verteidigt das 0:0 geschickt. Nach gut einer Viertelstunde taucht plötzlich Tuggens Nathan Tayey gefährlich vor dem FCZ-Tor auf. Nach einem langen Ball steht der schnelle Stürmer vor dem Tor von FCZ-Goalie Heinz Lindner. Lindrit Kamberi sieht beim Duell nicht gut aus, doch Tayey lupft das Leder über das Tor. Die Zürcher prüfen FCT-Goalie Anthony Pinthus nur mit wenigen Distanzschüssen. Nach Trinkpause und ereignisarmen 40 Minuten wird es erstmals richtig brenzlig im Tuggner Straf-raum. Pinthus wehrt einen Schuss von Emmanuel aus rund zehn Metern ab, doch der Abpraller landet wieder bei Emmanuel. Der FCZ-Stürmer schiesst volley und via Rasen findet das Leder den Weg über den Schlussmann und unterhalb der Latte durch ins Netz. 0:1.
Die Halbzeit des Underdogs
Bereits zur Halbzeit nimmt Polverino zwei Wechsel vor. Für Argtim Ismaili und Altin Ramabaja bringt er Mirza Hasanbegovic und Silvan Kriz. Das Spiel ist in der 2. Halbzeit auf Anhieb offener. Die Polverino-Elf hat viel mehr Ballbesitz und spielt mutig nach vorn. In der 55. Spielminute hat Tayey seine zweite dicke Torchance. Der Schlussmann des FCZ wird im Aufbauspiel angespielt und leistet sich einen katastrophalen Fehlpass. Tayey sprintet dazwischen, kontrolliert den Ball aber zu wenig, um im Abschluss erfolgreich zu sein. Doch Tuggen macht weiter Dampf und belohnt sich nach einer Ecke. Dominic Philips setzt sich im Luftduell gegen Spadanuda durch und köpft das Leder in die Maschen. Drei Minuten nach dem Ausgleich trifft Tayey aus halblinker Position nur den Innenpfosten. Das wäre es gewesen. Der FCZ ist gehörig unter Druck und Trainer Koller reagiert mit einem Dreifachwechsel. Für Reichmuth, Perera und Emmanuel kommen mit Di Giusto, Reversen und Commencia drei neue Spieler. Kurz danach kommen die Zürcher zu einem Eckball. Kevin Spadanuda findet mit seiner Flanke den Kopf von Alexander Hack, der ins Tor einnickt und die Gäste wieder in Führung bringt (67.).
Die Hausherren benötigen etwas Zeit, um sich von dem Gegentreffer zu erholen. In der 77. Minute bietet sich Tayey, der torgefährlichste Tuggner, im Zentrum an, wird prompt angespielt, doch sein Flachschuss rauscht rechts am Pfosten vorbei. Die Tuggner drehen zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit nochmals auf. Sie kommen zu mehr Angriffen und der FCZ kann die Partie nicht kontrollieren. In der 83. Minute liefern sich FCZ-Verteidiger Sauter und Dardan Morina im Strafraum ein umkämpftes Duell. Morina geht zu Boden und fordert einen Penalty, doch Schiedsrichter Hüseyin Sanli lässt das Spiel zu Recht weiterlaufen. Tuggen versucht in den letzten Spielminuten alles, doch der Super-League-Club verteidigt gut. Die Tuggner scheiden in der 1. Runde des Schweizer Cups aus, doch der 1:2-Zittersieg des FC Zürich ist glücklich, denn bis zum Schlusspfiff blieben die Schwyzer am Superligisten dran.
«Wir reden in dem Cup-Spiel von zwei Teams, die drei Ligen trennen. Uns war es wichtig, dass wir nicht nach 20 Minuten 2:0 oder 3:0 im Rückstand sind», erklärt Polverino seinen Match-plan. «Ich habe den Jungs in der Halbzeit gesagt, dass sie noch mehr an sich glauben sollten und dies haben sie mit ganz viel Leidenschaft gemacht.»
Tuggen – Zürich 1:2 (0:1)
Linthstrasse, 4500 Zuschauer. – SR: Hüseyin Sanli, Leroy Hartmann, David Huwiler.
Tore: 40. Emmanuel 0:1, 57. Philips 1:1, 66. Hack 1:2. Tuggen: Pinthus; Keller, Osmani, J. Rüegg (70. Romano), Sefer, Heini (70. Morina); Ismaili (46. Kriz), Philips (63. Shala), N. Rüegg; Tayey, Ramabaja (46. Hasanbegovic).
Zürich: Lindner; Sauter (86. Walker), Hack, Kamberi, Hodza; Emmanuel (65. Comenencia), Reichmuth (65. Di Giusto), Schödler, Spadanuda; Keny, Perera Mendoza (65. Reverson).
Bemerkungen: Tuggen ohne: Moreira, Erbinel, Alves, Antoniazzi (alle verletzt), Jakupov (gesperrt). FCZ ohne: Fiorini, Greco, Huber, Ihendu, Kablan, Rizzo, Portocarrero, Stiel, Ramic, Morozov, Vujevic, Coulibaly. Verwarnungen: Keine. Corner: 4:5.