Ein Remis in Langenthal und den Fokus auf das Rückspiel gerichtet

von Daniel Horisberger

Eine beeindruckende Kulisse war es, die der FC Langenthal am Mittwochabend aufgezogen hat. Im kleinen aber schmucken Stadion Rankmatte schlug das Fussballherz auch für die angereisten Tuggen-Fans etwas höher. So freute man sich gemeinsam mit rund 1500 Zuschauern auf eines der Spiele, auf das die beiden Mannschaften das ganze Jahr hingearbeitet haben. Es zeigt sich früh, dass sich das Heimteam vor heimischem Anhang keinesfalls die Butter vom Brot nehmen lassen wollte. Mit dem fulminanten Start schien Tuggen einen Moment überfordert, kam vor allem in der Startphase defensiv immer wieder in Bedrängnis. Langenthal liess bald durchblicken, für welches Mittel sie sich entschieden hatten: Hohe Bälle hinter die Abwehr, wo allen voran der grossgewachsene Georgino M’Vondo-Ze eine stete Gefahr darstellte. Nach 15 Minuten war es mit Kevin Krasniqi aber ein anderer, der die Oberaargauer in Führung brachte. Tuggen war in der Startviertelstunde zumindest defensiv schlicht überfordert gewesen, Langenthals Führungstreffer damit verdient. Die Previtali-Elf fand im Anschluss allmählich besser in die Partie und konnte sich nun auch offensiv einschalten. Nach 27 Minuten entwischte links aussen Nathan Tayey, konnte in den Strafraum hineinziehen, wo er Goalgetter Fernando Rodrigues mustergültig bediente – 1:1. Auch der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt verdient, bis zur Pause hatte Tuggen aber noch nicht das gezeigt, was man von einem Aufstiegsspiel erwarten darf.

Ein anderes Bild ergab sich nach dem Seitenwechsel. Tuggen übernahm die Kontrolle, hatte mehr Ballbesitz und auch die besseren Torchancen – der Wind hatte gedreht. Zählbares gab es nach 55 Minuten: Wiederum war es Nathan Tayey, dessen Schnelligkeit der Langenthaler Defensive wiederholt Probleme bereitete, der alleine zum Abschluss kam. Den Abpraller verwertete dann der goldrichtig stehende Jakup Jakupov zum erstmaligen Tuggner Führungstreffer. Auch defensiv hatte Tuggen inzwischen besser ins Spiel gefunden, vermochte die schnörkellos spielende Offensive der Berner immer besser in Schach zu halten. Letztere waren immer öfters zu Abschlüssen aus der zweiten Reihe gezwungen, wobei Tuggens Colin Hegner im Tor wiederholt stark parierte. Gegen Ende der 90 Minuten war es nochmals Jakup Jakupov, der alleine auf Keeper Neuenschwander losziehen konnte und dabei das 3:1 auf dem Fuss hatte, seine Chance allerdings nicht nutzte. Immer wieder setzte Tuggen die Langenthaler mit schnellen Vorstössen unter Druck, wurde dabei aber in der Defensive zu nachlässig. In der Nachspielzeit erzielte das Heimteam mit Yann Constant den verdienten, aber für Tuggen deshalb nicht minder ärgerlichen Ausgleichstreffer, der auch das Schlussresultat markierte.

Der junge Tuggner Torhüter Colin Hegner, der sich im Verlauf der Saison zum Stammtorhüter entwickelt und massgeblichen Anteil an Tuggens erfolgreicher Meisterschaft hat, war nach der Partie nicht vollends zufrieden: «Wir müssen jetzt halt das Unentschieden mitnehmen. Wir sind schlecht gestartet, haben vor allem auf die hohen Bälle viele Zweikämpfe verloren. In der zweiten Halbzeit haben wir das besser in den Griff bekommen. Natürlich müssten wir unsere Chancen besser nützen.» Schlussendlich müsse man positiv bleiben, das Unentschieden mitnehmen und im Heimspiel alles geben, so Hegner. Auch bei Trainer Ivan Previtali hat es nach der Partie nicht viel anders getönt: «Wir wussten nicht genau, was uns erwartet. Dann gibt es ein wenig Nervosität und Anspannung, das Publikum war auch da. Unter dem Strich akzeptieren wir das 2:2 und haben eine Ausgangslage, mit der wir im Heimspiel etwas anfangen können.» Aus fussballerischer Sicht war Tuggens Trainer mit seiner Mannschaft nicht ganz zufrieden: «In der ersten Halbzeit waren wir nicht auf unserem Niveau, da muss ich ehrlich sein, wir haben defensiv zu viel zugelassen. Nach der Pause sind wir deutlich besser im Spiel gewesen, waren kompakter und giftiger.» Bemängelt wird hingegen das Verhalten nach dem Führungstreffer: «Mir hat die Reife gefehlt, die Erfahrung. Wir konnten kontern und müssten das 3:1 schiessen. Aber auch wenn man das nicht macht, müssen wir das 2:1 über die Runden bringen.», so Previtali. Dann relativiert er: «Das ist aber Kritik auf hohem Niveau. Wenn man sich die 90 gespielten Minuten anschaut, geht das Resultat in Ordnung.»

Bereits am kommenden Samstag geht es an der Linthstrasse mit dem Rückspiel weiter – aufgrund der Ausgangslage ist Hochspannung angesagt. Tuggens scheidender Trainer sagte bereits am vergangenen Samstag, er freue sich auf alles, was mit den Aufstiegsspielen noch komme. Seine Erwartungen wurden zumindest am Mittwoch bereits erfüllt: «Absolut. Fussballfest, 1500 Zuschauer nahe am Feld, Emotionen, Zunder, das macht Spass, dafür spielt man Fussball. Es war leben drin, auch bei Langenthal, sie sind eine gute Mannschaft. Und in Tuggen erwarte ich eigentlich dasselbe, die Vorfreude ist gross.»

 

Telegramm

Langenthal – Tuggen 2:2 (1:1)

Rankmatte, 1500 Zuschauer, SR: Filip Mihajlovic

Tore: 15. Krasniqi 1:0, 27. Rodrigues 1:1, 55. Jakupov 1:2, 90.+4’ Constant 2:2.

Langenthal: Neuenschwander; Yigit (86. Vishi), Sarr (63. Heuberger), Anliker, Castiglione (63. Huber); Xhemaili (71. Constant), Nadjack, Ahmeti (71. Hochuli); M’Vondo-Ze, Krasniqi, Rustemoski.

Tuggen: Hegner; Kräuchi, Meier (68. Erbinel), Osmani, Keller; Shala (68. Morina), Kriz (82. Herlea), Rüegg N., Quintas, Rodrigues (37. Jakupov), Tayey.

Bemerkung: Tuggen ohne Bärtsch, Balzer, Bonthuis, Rüegg J., Ismaili und Antoniazzi.

Verwarnungen: 31. Rustemoski (Foul), 39. Castiglione (Foul), 50. Kräuchi (Foul), 66. Rüegg N. (Foul), 73. Quintas (Foul), 75. Jakupov (Foul), 90.+2’ Nadjack (Foul).

Ausschluss: 90.+5’ Kräuchi (2. Gelbe).

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