Es ist einfach ein Genuss…..

von Daniel Horisberger

Der FC Tuggen hat einen neuen Cheftrainer. Der 79-fache liechtensteinische Nationalspieler ist kein unbeschriebenes Blatt. Sein Name: Michele Polverino. Der neue Trainer an der Linthstrasse schnürte seine Fussballschuhe in Liechtenstein, der Schweiz, Italien, Österreich und spielte in der Saison 2012/13 beim iranischen Hauptstadtverein Steel Azin. Polverino klärt auf: «Ich hatte noch ein Jahr Vertrag in Aarau, als der Trainer mir kurz vor Saisonstart mitteilte, dass er eher nicht mit mir plant. Attraktive Angebote waren kurzfristig Mangelware», erinnert sich Ex-Mittelfeldspieler Polverino. Matheus Honorio, ein befreundeter Fussballer aus Liechtenstein, spielte in der iranischen Liga und vermittelte einen Spielerberater, der auf den asiatischen Raum spezialisiert war. Polverino, damals 26 Jahre alt, packte seine Sachen und absolvierte ein einwöchiges Probetraining in der iranischen Metropole Teheran. Der Transfer verzögerte sich, da half ein Länderspiel gegen die Schweiz. «Ottmar Hitzfeld war Trainer der Schweiz. Wir verloren knapp 1:2, schafften fast die Sensation. Ich wurde anscheinend beobachtet, denn einen Tag später hatte ich meinen unterschriftsreifen Vertrag auf dem Tisch.» Es sei ein attraktives Angebot gewesen, also unterschrieb der liechtensteinische Nationalspieler einen Einjahresvertrag bei Steel Azin. «Ich hatte wirklich grossen Respekt, da in den Medien viel Negatives über den Iran zu lesen war. Was ich dann erlebt habe, war das Gegenteil: extrem gastfreundliche Menschen, eine gute Küche und eine spannende persische Kultur. Ich hoffe, ich werde den Iran nochmals als Tourist besuchen können», schwärmt Polverino.

Vom Fussballer zum Trainer

Der zentrale, defensive Mittelfeldspieler mit italienischen Wurzeln erhielt mit 23 Jahren den liechtensteinischen Pass und absolvierte 79 Länderspiele für das Fürstentum. «Liechtenstein ist meine Heimat, ich bin dort geboren und aufgewachsen und fühle mich dort sehr verbunden», beschreibt der 41-Jährige. Über Trainerstationen in Balzers und Eschen/Mauren ist Polverino in der March gelandet. Seine dritte Trainerstation. «Ich habe mit Günti (Roman Güntensperger, Sportchef beim FC Tuggen) in Rapperswil-Jona zusammengespielt und es war frühzeitig klar, dass ich ab Sommer nicht mehr in Eschen/Mauren weitermache », erzählt Chefcoach Polverino. Der Erstkontakt mit Tuggen fand im März statt und bereits Anfang April wurde der Vertrag unterzeichnet.

Gemeinsam mit Co-Trainer Alessandro Corvaglia (42) kommt Michele Polverino vom USV Eschen/Mauren an die Linthstrasse. «Wir haben nicht nur beim USV zusammengearbeitet, sondern kennen uns seit unserer Kindheit », berichtet der neue FCT-Trainer. Die beiden Trainer eint viel: «Wir sind beide fussballverrückt, beide Fans von Juventus Turin. Alessandro bringt ganz viel Erfahrung und Wissen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Athletik mit.» Komplettiert wird das Trainerteam durch den langjährigen Assistenztrainer Javier Santana.

Von der Vorbereitung

Das System könne sich immer ein wenig ändern, aber grundsätzlich lässt Polverino gerne im 4-3-3-System spielen. Ansonsten bevorzugt er hohes Pressing-Spiel, das bei Ballverlust so-fort greift. Im Aufbauspiel möchte Polverino «mit klaren Positionierungen der Spieler die Zone drei möglichst einfach erreichen». Seit Mitte Juni trainiert der FCT wieder. Drei Wochen wurde Vollgas gegeben, danach gab es nochmals eine Woche frei. «Die Jungs haben extrem gut mitgezogen, das hat viel Spass gemacht», resümiert der Liechtensteiner.

Von Spielen und Spielern

Von den acht Neuzugängen ist der neue Coach überzeugt. «Ich erwarte, dass jeder einzelne neue Spieler den FC Tuggen ein Stück besser macht.» Ein Goalie, drei rechte Verteidiger, ein Innenverteidiger, zwei Mittelfeldspieler und ein Mittelstürmer (siehe Kasten) verstärken Tuggen zur kommenden Saison. Mit Mirza Hasanbegovci hat Tuggen einen 1:1-Ersatz für Fernando Rodrigues gefunden. «Mirza ist ehemaliger U21-Spieler von Bosnien, ist 1,93 Meter gross und hat zuletzt in Schweden gespielt», erklärt Polverino. Für welchen Mannschaftsteil sucht der FC Tuggen noch Spieler? Knappe Antwort: «Für keinen.» Vier Testspiele, vier Siege. Zum Auftakt der Vorbereitung gewann Tuggen gegen die U21 des FCZ mit 2:1, danach folgten drei Ausrufezeichen. In Weesen (2. Liga Int.) siegte der FCT 7:1, den Ligakonkurrenten Zug 94 schoss das Team mit 7:2 ab und am letzten Wochenende wurde Uzwil (2. Liga Int.) mit 6:1 bezwungen. «Es ist noch sehr früh in der Saison, aber klar ist, mit der Mannschaft wollen wir oben mitspielen und in die Aufstiegsspiele», legt sich Michele Polverino fest.

Vom Auftakt und Cup-Kracher

Am 8. August geht es endlich los. Heimspiel gegen Widnau. Gegen Widnau haben die Märchler noch eine Rechnung offen, denn in der letzten Saison entführten die Ostschweizer alle drei Punkte. Die St. Galler gewannen Anfang Mai an der Linthstrasse mit 1:0. «Ich kenne Widnau sehr gut, da es nicht weit weg von meinem Zuhause ist», verdeutlicht der Coach. «Ich erwarte, dass Widnau sehr kompakt auftreten wird und alles daransetzt, dass wir die Abwehrkette nicht knacken können.» Eine Woche später folgt das Cup-Highlight gegen den Super-League-Verein FC Zürich. Auf die Vorbereitung gegen Widnau habe das Cupspiel keinen Einfluss, «denn das Spiel gegen Zürich können wir ohne Druck angehen. Es ist einfach ein Genuss.» Man könne sich auf höchstem Niveau in der Schweiz messen, aber der volle Fokus und das Hauptziel sei die Meisterschaft. Die Chance auf ein Weiterkommen im Cup sei klein, aber da. Der Wunsch zum Cupspiel? «Dass wir weiterkommen », sagt Polverino und lacht herzlich.

 

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