Langenthal besiegelt das Saison-Ende für Tuggen
von Daniel Horisberger
Wetter und Zuschauerkulisse hatten alles für einen aussergewöhnlichen Fussballnachmittag angerichtet – nun lag es an den beiden Mannschaften, den Erwartungen gerecht zu werden. Die beiden Teams starteten engagiert in die Partie. Von Beginn an suchte man auf beiden Seiten die Offensive, was bereits nach wenigen gespielten Minuten zu einem offenen Schlagabtausch führte. Nach rund 15 Minuten war es Tuggens Jakup Jakupov, der die bislang beste Chance des Spiels hatte. Er scheiterte allerdings am intervenierenden Langenthal-Keeper Neuenschwander. Für Letzteren war es gleichzeitig die letzte Aktion des Spiels, da er im Anschluss nach längerer Pflege verletzt ausgewechselt werden musste. Die längere Pause beruhigte auch das hektische Spiel ein wenig, wodurch schliesslich Tuggen zu leichten Vorteilen kam. Nach 35 Minuten profitierte Dardan Morina vom Durcheinander im Langenthaler Strafraum, zog von rechts aussen auf das Tor und versenkte den Ball kalt zum Führungstreffer. Das vielumjubelte Tor war zwar nicht unverdient, kam für Tuggen aber dennoch zu einem günstigen Zeitpunkt. Jedenfalls war man damit auf Kurs. Ein Dämpfer gab es allerdings noch vor der Pause: Tief in der Nachspielzeit wurde den Langenthalern ein fragwürdiger Foulelfmeter zugesprochen. Georgino M’Vondo-Ze liess sich nicht zweimal Bitten und versenkte den Ball zum etwas schmeichelhaften Ausgleich.
Nach der Pause veränderte sich der Spielverlauf. Vielleicht schockiert vom Ausgleichstreffer, oder einfach ausgebrannt, fiel Tuggens Elf ein wenig auseinander. Langenthal zeigte seinerseits zwar keine Überleistung, war aber zum entscheidenden Zeitpunkt da, um Tore zu schiessen: In der 59. Minute war es wieder M’Vondo-Ze, der den zweiten Foulelfmeter trat und die Führung für die Berner erzielte. In der 77. und 86. Minute waren es Rustemoski und Vishi, die für Langenthal die Vorentscheidung brachten und auf 4:1 stellten. Tuggen schien zwar noch bemüht, brachte aber unter dem Strich nicht viel zustande und geriet immer wieder in Bedrängnis. Rion Xhemaili war es, der gegen die dezimierten Tuggner in der Nachspielzeit noch das 5:1 erzielte. Kurz zuvor hatte Jakup Jakupov nach einer direkten roten Karte das Spielfeld verlassen müssen. Die Luft war aus Tuggner Sicht bereits früh draussen aus der Partie. Zwar rechtfertigten die Machtverhältnisse auf dem Platz keinesfalls eine 1:5-Niederlage, dennoch hatte Langenthal das Weiterkommen über zwei Spiele nicht gestohlen.
Dass für Tuggen nach einer Saison mit Auf und Abs ausgerechnet das entscheidende Spiel in einem Ab endet, ist bitter. Besonders Spielmacher José Meier, der nach gesamthaft 10 Jahren beim FC Tuggen am Samstag zum letzten Mal seine Schuhe an der Linthstrasse schnürte, standen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: «Sie haben super gespielt. Über beide Spiele waren sie die dominierende Mannschaft und haben einen guten Fussball gespielt. Für uns waren die beiden Penaltys matchentscheidend.» Und weiter: «Wir sind nie richtig in die Partie gekommen, konnten gar nie dominieren, was uns eigentlich immer ausgemacht hat. Sie waren uns in vielen Belangen überlegen.» Auch Assistenztrainer Javier Santana sah die Partie ähnlich: «Wir haben zu wenig gmacht, um den Ball laufen zu lassen. Am Schluss war die Energie draussen. Über die zwei Spiele ist Langenthal verdient weitergekommen.» Selber habe man aber eine Saison gespielt, die in die Aufstiegsspiele führte, worauf man stolz sein dürfe, so Santana. Nicht nur die sportliche Niederlage sorgte derweil bei José Meier für getrübte Stimmung, auch der persönliche Abschied spielte eine Rolle: «Es ist für mich schwierig, damit klarzukommen, jetzt, wo es vorbei ist. Ich fühle mich voll als Tuggner. Für Tuggen geht ein neuer Weg auf, es kommen neue Spieler, die den Verein hoffentlich tragen werden, so wie Andrei Herlea und ich es über viele Jahre tun durften.»
Trotzdem wollte José Meier sich die Möglichkeit nicht nehmen lassen, ein Wort an die Anhänger zu richten: «Ich danke allen Supportern des FC Tuggens, meiner Frau, meiner Familie. Die Fans haben mich immer herzlich aufgenommen und ich habe die Liebe immer gespürt. Das bedeutet mir sehr viel, und ich kann dafür nur von Herzen danken», so Meier abschliessend. Das Spiel am Samstag schliesst nicht nur die laufende Saison ab – mit dem Abgang zahlreicher, teilweise langjähriger Spieler und Teamstützen, endet an der Linthstrasse auch eine Ära. Sicher ist: Es geht weiter, spätestens Anfang August, wenn in Tuggen der Ball wieder rollt.
Telegramm:
Tuggen – Langenthal 1:5 (1:1)
Linthstrasse, 812 Zuschauer, SR: Joël Brunner
Tore: 35. Morina 1:0, 45.+4’ M’Vondo-Ze 1:1, 59. M’Vondo-Ze 1:2, 77. Rustemoski 1:3, 86. Vishi 1:4, 90.+1’ Xhemaili 1:5.
Tuggen: Hegner; Herlea (87. Vasic), Erbinel, Osmani, Keller; Kriz (73. Meier), Quintas, Rüegg N.; Morina (80. Ramabaja), Jakupov, Tayey.
Langenthal: Neuenschwander (18. Wehrli); Yigit, Sarr, Anliker; Constant (69. Xhemaili), Heuberger, Nadjack, M’Vondo-Ze (81. Vishi), Rustemoski (81. Huber), Krasniqi, Ahmeti (69. Hochueli).
Bemerkung: Tuggen ohne Ismaili, Bärtsch, Rüegg J., Antoniazzi und Kräuchi.
Verwarnungen: 33. Rustemoski (Reklamieren), 33. Ahmeti (Foul), 45.+3’ Herlea (Foul), 59. Erbinel (Foul), 67. Osmani (Foul), 80. Keller (Reklamieren).
Ausschluss: 88. Jakupov (Tätlichkeit).